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Die Zukunft von Venture Capital: Was, wenn das nächste große Venture schon existiert?

Wie Venture Capital, Private Equity und Mittelstand zusammenfinden könnten: Warum bestehende KMU zur Basis für neue Ventures werden können.

Ein Mann steht in einer Maschinenhalle; darüber die Frage „Was, wenn das nächste große Venture schon existiert?“ und orangefarbene Konstruktionsskizzen.

Die Zukunft von Venture Capital: Was, wenn das nächste große Venture schon existiert?

Ich habe einige Jahre im Venture-Umfeld gearbeitet.

Neue Ideen. Neue Geschäftsmodelle. Neue Teams.

Und immer wieder dieselbe Frage:

Wie kann daraus etwas sehr Großes werden?

Das gehört zur Logik von Venture Capital. Ein Fonds investiert in viele Unternehmen und braucht einige wenige Gewinner, die einen großen Teil der Rendite des gesamten Portfolios erwirtschaften.

Mich interessiert inzwischen eine andere Frage:

Was, wenn wir gar nicht bei null anfangen müssen?

Der Mittelstand hat etwas, das Startups erst aufbauen müssen

Heute arbeite ich hauptsächlich mit kleinen und mittleren Unternehmen.

Und dort sehe ich fast das Gegenteil eines Startups.

Die Unternehmen haben bereits Kunden.

Sie haben Mitarbeitende, Branchenwissen, Reputation, Prozesse, Infrastruktur und meistens ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Vor allem aber: Sie haben Umsatz und reale Kundenbeziehungen.

Das Unternehmen funktioniert.

Genau das macht diese Unternehmen für mich so interessant.

Denn gleichzeitig sehe ich Prozesse, die seit 20 Jahren kaum verändert wurden. Excel-Dateien, die irgendwann zu geschäftskritischen Systemen geworden sind. Software, die niemand mehr anfassen möchte. Wissen, das nur in den Köpfen einzelner Mitarbeitender existiert.

Und immer häufiger kommt noch ein anderes Thema dazu:

Nachfolge.

Eine Generation hat diese Unternehmen aufgebaut. Die nächste Generation übernimmt sie.

Damit entsteht ein ziemlich interessanter Ausgangspunkt für Venture Building.

Vielleicht liegt das nächste Venture bereits im Unternehmen

Im klassischen Venture Capital lautet die Logik ungefähr:

Kapital → Idee → Produkt → Product-Market-Fit → Wachstum.

Im Mittelstand kann die Ausgangslage eine andere sein:

Bestehendes Unternehmen → vorhandene Kunden → vorhandenes Wissen → neues Produkt oder Geschäftsmodell.

Das verändert die Art des Risikos.

Ich muss nicht unbedingt erst herausfinden, ob überhaupt ein Markt existiert.

Vielleicht habe ich bereits 500 Kunden, mit denen ich sprechen kann.

Vielleicht gibt es einen manuellen Service, den Kunden seit Jahren kaufen und aus dem ein digitales Produkt entstehen könnte.

Vielleicht steckt in einem internen Prozess bereits die Grundlage für ein Softwareprodukt.

Oder ein Unternehmen lässt sich durch bessere Prozesse, Software, Automatisierung, Pricing und Vertrieb deutlich produktiver machen.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht:

„Was könnten wir gründen?“

Sondern:

„Was können wir aus dem, was bereits da ist, als Nächstes bauen?“

Genau deshalb finde ich operator-geführte Investments spannend

Zwischen klassischem Venture Capital, Private Equity und Search Funds entsteht für mich ein interessantes Modell:

Unternehmen nicht nur finanzieren, sondern übernehmen oder sich beteiligen – und anschließend selbst an ihrer Weiterentwicklung arbeiten.

Das Kapital allein ist dabei nicht der entscheidende Hebel.

Der Operator wird Teil der Wertschöpfung.

Er schaut sich Prozesse an.

Er spricht mit Kunden.

Er hinterfragt das Pricing.

Er modernisiert Systeme.

Er entwickelt neue Produkte.

Er automatisiert Arbeit.

Und manchmal entsteht aus einem bestehenden Unternehmen sogar ein neues Venture.

Das ist eine völlig andere Rolle als die eines Investors, der hauptsächlich Kapital, Netzwerk und Governance bereitstellt.

Kapital trifft auf operative Umsetzung.

Der deutsche Mittelstand könnte dafür ein ziemlich guter Ort sein

Gerade Deutschland bietet dafür eine besondere Ausgangslage.

Viele inhabergeführte Unternehmen haben über Jahrzehnte Substanz aufgebaut.

Kunden. Wissen. Reputation. Mitarbeitende. Infrastruktur. Cashflow.

Gleichzeitig steht bei vielen Unternehmen ein Generationenwechsel an.

Die nächste Generation übernimmt also keine leere Firma.

Sie übernimmt etwas Wertvolles.

Aber sie übernimmt damit auch Entscheidungen, Prozesse und Systeme, die zu einer anderen Zeit entstanden sind.

Das ist kein Problem.

Es ist Rohmaterial.

Denn etwas, das die letzten 20 Jahre funktioniert hat, muss nicht automatisch die nächsten 20 Jahre genauso funktionieren.

Vielleicht verändert sich damit auch Venture Capital

Ich glaube nicht, dass klassisches Venture Capital verschwindet.

Für Deep Tech, AI-Infrastruktur oder Unternehmen mit extremem Skalierungspotenzial ergibt die Power-Law-Logik weiterhin Sinn.

Aber daneben könnte eine andere Form von Venture Building wichtiger werden.

Weniger:

„Finde das nächste Unicorn.“

Mehr:

„Finde ein gutes Unternehmen mit Substanz – und baue gemeinsam die nächste Version daraus.“

Mich persönlich reizt dieses Modell inzwischen deutlich mehr.

Vielleicht auch, weil es meine beiden Welten verbindet.

Venture Building und Mittelstand.

Strategie und Umsetzung.

Kapital und Unternehmertum.

Nicht auf der grünen Wiese.

Sondern mit Kunden, Umsatz, Erfahrung und 30 Jahren Unternehmensgeschichte im Rücken.

Vielleicht müssen wir das nächste große Venture gar nicht gründen.

Vielleicht existiert es längst – wir müssen nur erkennen, was daraus als Nächstes werden kann.

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